The Safety Connection

Fahrzeuge kommunizieren miteinander und geben gezielt Informationen weiter. Was wie eine Utopie klingt, wird zurzeit als sogenannte Car-to-X-Kommunikation getestet.


Fahrzeuge kommunizieren miteinander und geben gezielt Informationen weiter. Was wie eine Utopie klingt, wird zurzeit als sogenannte Car-to-X-Kommunikation getestet.


„Guten Morgen! Auf dem Ring de Bruxelles, elf Kilometer vor Ihnen, ist es eben zu einem Auffahrunfall gekommen. Drei Fahrzeuge sind beteiligt. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens wird sich innerhalb der nächsten zwei Minuten ein Stau bilden. Darf ich eine alternative Route vorschlagen, auf der sich derzeit weniger Fahrzeuge befinden?“ Der angesprochene Autofahrer erhält diese Meldung über die Verkehrssituation auf der R0 bei Brüssel „live“. Sie kommt unmittelbar von den Fahrzeugen, die am Auffahrunfall beteiligt waren.

Und diese informieren nicht nur den weiter entfernten Verkehr über die Staugefahr. Fahrzeuge in der näheren Umgebung und mit selber Fahrtrichtung erhalten zusätzliche Informationen, um ihre Fahrer mit Hinweisen im Display und je nach Gefahrensituation auch akustisch vor einer drohenden Auffahrgefahr zu warnen, während sie die empfangenen Unfalldaten auch an Einsatzfahrzeuge weiterleiten. Auch die Verkehrsleitzentralen profitieren von dieser neuen Form der Kommunikation: Statt der 20 Minuten, die früher notwendig waren, um die Situation auf der belgischen Stadtautobahn zu erfassen, zu verarbeiten und an die Autofahrer weiterzuleiten, verfügen sie nun über zeitnahe und wesentlich detailliertere Informationen.

So wie in Brüssel, das noch vor Städten wie Paris, London und Warschau den unrühmlichen Titel „Stau-Stadt“ Europas trägt, dürfte sich in den kommenden 15 Jahren die Anzahl der Auffahrunfälle und Staus deutlich reduzieren. Denn die Fahrzeuge der Zukunft werden entfernte Hindernisse und Gefahrensituationen auf beliebigen Straßen sofort erkennen und für den Fahrer die entscheidenden Hinweise bereithalten. Dafür „sprechen“ sie miteinander – mithilfe modernster Funktechnologien. „Car-to-X“ nennen die Ingenieure diese Form technischer Kommunikation. Sie ermöglicht es einem Fahrzeug, mit einem anderen beziehungsweise mit stationären Einheiten am Straßenrand Informationen auszutauschen.

Über „Multi-Hop“, das mit dem Weiterreichen eines Staffelstabs vergleichbar ist, können Informationen sogar über weite Strecken weitergegeben werden. „Car-to-X wird zahlreiche Möglichkeiten bieten, unsere momentanen Sensoren im Fahrzeug zu ergänzen, um neue Funktionen in Fahrkomfort und Sicherheit zu erschließen“, betont Ralf Guido Herrtwich, Leiter der Fahrerassistenz- und Fahrwerkssysteme bei der Daimler-Forschung. Für ihn ist sicher, dass sich die Technik an dieser Stelle entscheidend weiterentwickeln wird. Das Fahrzeug, das durch zahlreiche Sensoren über „Sinnesorgane“ verfügt und mithilfe der Bordelektronik immer „intelligenter“ wird, könnte künftig in der Lage sein, vorausschauend zu denken. Es wird sich auf Verkehrssituationen einstellen, die noch in einigen Kilometern Entfernung liegen.

Und durch die genaue Kenntnis von Verkehrssituationsentwicklungen wird es sogar möglich werden, dass die „Mobilitätsintelligenz“ des Fahrzeugs in die Zukunft blickt, um sich auf entstehende Risiken einzustellen oder einen Stau zu umfahren, der sich erst später entwickeln wird. Damit wären die Ingenieure in der Theorie auch der Vision eines auf Wunsch einsetzbaren „Autopiloten“ einen entscheidenden Schritt näher. Das Fahrzeug könnte von den Erkenntnissen vorausfahrender Fahrzeuge zur aktuellen Verkehrssituation profitieren und sich an ihrem Fahrverhalten orientieren.

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